Wer ist hier RESTful?

Vielleicht erinnert sich der ein oder andere ja noch den Artikel Obama is RESTful aus den letztjährigen Wahlkampftagen in den USA. Seit nun auch hierzulande Politiker auf zum Teil peinlichste Art und Weise versuchen Obamas Wahlkampftaktiken zu imitieren findet man sie im Web ü-ber-all, wirklich, ohne Ausnahme.

Natürlich mussten auch supertolle neue Webportale für den Wahlkampf der Parteien her. Versuchen wir doch mal einige der Vergleiche aus dem eingangs erwähnten Artikel auch auf diese anzuwenden, wobei ich mich auf CDU (www.team2009.de), FDP (my.fdp.de) und SPD (www.wahlkampf09.de) beschränken möchte. Falls die Reihenfolge nicht durch Untersuchungsergebnisse vorgegeben ist, sortiere ich alphabetisch.

Technologien

Die CDU ist laut Header "powered by PHP/5.2.0-8+etch13" und setzt den Metatags zufolge das Content Management System Joomla in der Version 1.5 ein. Ich möchte eigentlich keinen Flamewar heraufbeschwören, aber Joomla? really?

Die FDP hält es mit PHP/4.4.4-8+etch6, das auf einem Debian System mit Apache/2.2.3 läuft.

Die SPD setzt auf Ruby on Rails, das von Passenger 2.0.6 ebenfalls auf einem Debian System mit Apache/2.2.9 ausgeliefert wird.

Webstandards

Alle drei Seiten geben an den Standard XHTML 1.0 Transitional einzusetzen.
Tatsächlich muss die CDU sich hier mit 71 Fehlern und 55 Warnungen die größte Lüge zuschreiben lassen. Es folgen die FDP mit 28 und die SPD mit 11 Fehlern.

Geschwindigkeit

Mit YSlow kann man sich die Performance einer Seite in Bezug auf das Gesamtergebnis für den Besucher (samt aller eingebundenen JavaScript/CSS Bibliotheken und Bilder) ausgeben und auswerten lassen.

Auch hier finden wir auf dem letzten Platz die CDU mit der Wertung F und 32 von möglichen 100 Punkten. Es werden satte 21 externe CSS- und 13 JavaScript-Bibliotheken eingebunden.
Im Portal der SPD wurden zumindest die CSS Bibliotheken zu einer Datei zusammengecached, sodass immernoch ein F dafür aber mit 49 von 100 Punkten herauskommt. Allein das Hinzufügen von Expire-Headern bei statischen Inhalten würde hier eine Menge bewirken, oder geht eh niemand davon aus, dass ein Besucher ein zweites Mal vorbeikommt?
Die FDP liegt mit der Wertung B und 84 Punkten weit vorn. Faierer Weise muss aber gesagt werden, dass die FDP mit ihrer geschlossenen Community lediglich eine einfache Login-Seite anzeigt und somit kaum Spielraum für Performance-Fehler vorhanden ist.

Inhalte

Man könnte argumentieren, dass es dafür noch etwas früh sei. Dennoch bin ich der Meinung, dass eine Suche nach "Wahlprogramm" auf den Wahlkampfseiten der Parteien Ergebnisse produzieren sollte.

So sieht das bei der CDU aus:

Wahlprogramm Suche bei der CDU

Die FDP stellt unter der untersuchten Adresse my.fdp.de gar keine öffentlichen Inhalte bereit. Ein Vergleich der internen Funktionen wäre zwar durchaus interessant, würde an dieser Stelle aber den Rahmen sprengen.

Bei der SPD sieht man:

Wahlprogramm Suche bei der SPD

Das muss man wohl nicht mehr kommentieren.

Was noch?

Unter welchen URLs können die Inhalte der Seiten erreicht werden? Am Beispiel der Registrierung:

CDU: /index.php?option=com_ubg_tdregistration&Itemid=56
FDP: /webcom/register.php
SPD: /unterstuetzer/new

Look Ma, REST bei der SPD. Und Denglish.

Wie sehen die Registrierungsformulare aus? 

CDU FDP SPD

Registrierungsformular CDU

Registrierungsformular CDU

Registierungsformular FDP

Registrierungsformular SPD

Wie ist das nun bei der CDU mit der Zweckbindung von erhobenen Daten? Dass man die PLZ gerne hätte kann ich verstehen, dass es ein Pfilchtfeld ist, nicht. Ich verkneif mir jetzt mal Kommentare über Terrorismusabwehr und andere Ausreden.

Wie regieren die Portale auf Anfragen nach nicht existierenden Seiten?

CDU: Reagiert mit dem Statuscode "200 OK" und zeigt direkt (keine Weiterleitung) die Startseite ohne irgendeinen Hinweis an.
FDP: Reagiert mit dem Statuscode "302 Found" und leitet auf die Startseite weiter ohne irgendeinen Hinweis anzuzeigen.
SPD: Reagiert mit dem Statuscode "404 Not Found" und zeigt die Fehlermeldung "Es ist ein Fehler aufgetreten. Dieser Link führt zu keinem gültigen Dokument." an.

Fazit

Ich hoffe niemand erwartet hier jetzt ernsthaft eine Wahlempfehlung.
Würde die technische Umsetzung der Wahlkampfportale irgendeine Rolle bei der Entscheidung für oder gegen eine Partei spielen, wäre der heutige Sieger eindeutig die SPD. Allerding wirkt das Gesamtkonzept aller Seiten noch ziemlich unausgereift. Inhalte fehlen fast völlig. Es bleibt zu hoffen, dass an dieser Stelle noch nicht Schluss ist mit "diesem Web-Zwei-Null-dingens".

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